CSR - die Wirtschaft übernimmt Verantwortung
www.csr.steiermark.at
Mit CSR (engl. "Corporate Social Responsibility") gibt es einen Begriff für das, was viele erfolgreiche Unternehmen seit Jahren tun, ohne großes Aufsehen darüber zu machen. Sie sind nicht nur am kurzfristigen Gewinn interessiert, sondern sie übernehmen Verantwortung für das, was sie tun - in dem Umfeld, in dem sie tätig sind. Wirtschaftlicher Erfolg, der Schutz der Umwelt und das soziale Handeln stellen für sie keinen Gegensatz dar.
Im Dezember 2003 wurde von CSR Austria (seit Oktober 2007
respACT Austria) das CSR Leitbild "Erfolgreich wirtschaften - verantwortungsvoll handeln" vorgestellt, das als Beitrag der Wirtschaft zur Umsetzung der österreichischen Nachhaltigkeitsstrategie verstanden wird. In vier Kapiteln wird aufgezeigt, was CSR für Unternehmen bedeutet.
Im Frühjahr 2004 startete die Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit (WIN) in der Steiermark in Sachen CSR durch. Es gab eine zentrale Auftaktveranstaltung in der Wirtschaftskammer Steiermark, danach wurde bei insgesamt
neun regionalen Veranstaltungen der Frage nachgegangen, ob CSR ein Modewort sei oder ein neues Miteinander von Wirtschaft und Gesellschaft bedeute.
Der Begriff CSR wurde im anglo-amerikanischen Raum bereits in den 1950er Jahren verwendet. Während in Skandinavien oder in den deutschsprachigen Ländern der gesetzliche Rahmen, in dem Unternehmen tätig sind, eindeutig definiert ist (Sozialgesetzgebung, Umweltstandards etc.), ist dies beispielsweise in den USA in vielen Bereichen nicht der Fall. Dort war es die Vorreiterrolle der Zivilgesellschaft einerseits und vorausschauender Unternehmen andererseits, die dazu geführt hat, dass Unternehmen mehr als nur das taten, was ihnen das Gesetz vorgeschrieben hat. Ein Meilenstein in der Diskussion stellte das Buch "Social Responsibilities" von Howard R. Bowen dar, das 1953 publiziert wurde und die zentrale Rolle von Unternehmen in der Gesellschaft anschnitt.
In der europäischen Diskussion ist das 2001 erschienene EU-Grünbuch "Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen" von Bedeutung. Darin wird CSR im Hinblick auf die soziale Verantwortung von Unternehmen wie folgt beschrieben:
"Die meisten Definitionen bezeichnen CSR als Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren. Sozial verantwortlich handeln heißt nicht nur, die gesetzlichen Bestimmungen einhalten, sondern über die bloße Gesetzeskonformität hinaus "mehr" investieren in Humankapital, in die Umwelt, in die Beziehung zu den anderen Stakeholdern".
Auf das im EU-Grünbuch niedergeschriebene freiwillige Engagement von Unternehmen für die Gesellschaft wird in der Diskussion heute sehr oft Bezug genommen. Kritisch hinterfragt wird das freiwillige Engagement unter anderem von Prof. Bernhard Mark-Ungericht, der mit einem Team in der Studie "CSR zwischen Freiwilligkeit und verpflichtenden Regeln" der CSR-Praxis in der Steiermark nachgeht.
CSR-Kritiker merken an, dass CSR nur ein Marketing-Instrument sei, mit dem Eigenwerbung in einem neuen, attraktiveren Gewand gemacht würde. Dem ist nicht so, CSR bedeutet wesentlich mehr:
- Stakeholder statt shareholder: Unternehmen ermitteln, wer ihr stakeholder (=Anteilsgruppen) sind, die in irgend einer Form mit dem Unternehmen zu tun haben und für das Unternehmen wichtig sind. Dieses Verständnis ist wesentlich weiter als der shareholder-value-Ansatz (=Interessen der Aktionäre und Eigentümer), weil auch auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter, Anrainer, Behörden etc. Rücksicht genommen wird.
- Win-win statt Gewinn auf Kosten der anderen: Gemeinsam mit den Stakeholdern werden Maßnahmen gesetzt und Programme gestartet, die die soziale und ökologische Performance des Unternehmens verbessern und auch für die Stakeholder gut sind. Statt Gewinn auf Kosten der Menschen kommt es zu win-win-Situationen, bei denen die Unternehmen gemeinsam mit den Mitarbeitern, Anrainern etc. profitieren.
- Social licence to operate: Unternehmen sind in einem Umfeld tätig, für das ihnen die Gesellschaft eine „Betriebsgenehmigung auf Zeit“ erteilt. Wenn es um die Ausweitung der Produktion oder um neue Herstellverfahren geht, vor allem aber im Krisenfall zeigt sich sehr schnell, ob die Gesellschaft einem Unternehmen das ernsthafte Bemühen abnimmt oder an seiner Lauterkeit zweifelt. Alles, was die Akzeptanz eines Unternehmens festigt, stärkt seine Existenzberechtigung. CSR-Aktivitäten tragen damit zu einer langfristigen Sicherung des Unternehmens bei.
Auch wenn der Begriff CSR in Österreich erst seit wenigen Jahren verwendet wird, ist die Praxis des verantwortlichen Handelns bereits wesentlich älter:
- Es gibt viele Unternehmen, die wesentlich mehr tun, als gesetzlich vorgeschrieben ist, dadurch Vorteile gegenüber ihren Mitbewerbern haben und attraktive Dienstgeber sind.
- Mit
Wettbewerben und Auszeichnungen werden die Unternehmen vor den Vorhang geholt, die zeigen, wie CSR gelebt werden kann und die damit ein Vorbild für andere Unternehmen sind.
- Die öffentliche Hand und Einrichtungen wie die
Wirtschaftsinitiative Nachhaltigkeit oder
respACT Austria unterstützen Unternehmen dabei, ökonomische, ökologische und soziale Herausforderungen unter einen Hut zu bringen und damit nachhaltig erfolgreich zu sein.
- Es gibt immer mehr Berater und Schulungseinrichtungen, die Unternehmen bei der Umsetzung von CSR Maßnahmen auf dem Weg zum nachhaltigen Wirtschaften unterstützen.
Das Verständnis und die Praxis von CSR sind im Wandel begriffen:
- Bis vor wenigen Jahren wurde CSR von vielen Unternehmen entweder nicht verstanden oder nur als "schöner Zusatznutzen" gesehen. Erst seit wenigen Jahre kristallisiert sich die Überzeugung heraus, dass sich CSR ähnlich wie Umweltschutz "auszahlt" und CSR ein strategisches Konzept ist, durch das unter Einbindung der Stakeholder langfristige Wettbewerbsvorteile erzielbar sind.
- Neben der Diskussion um die Freiwilligkeit oder gesetzliche Verpflichtung von CSR Maßnahmen findet auch eine Diskussion zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen statt. Während erstere vor allem auf die im EU-Grünbuch beschriebene Freiwilligkeit pochen, wird von Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen in der CSR Debatte die Chance gesehen, die Arbeitnehmerinteressen nach Jahren der Deregulierung infolge der Globalisierung nun wieder zu stärken.
CSR und Nachhaltigkeit sind kein Widerspruch zu Erfolg im Geschäftsleben – sie sind eine Voraussetzung dafür, dass Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich sind!
Verantwortlich für die inhaltliche Aufbereitung des Themas "CSR":
Dr. Michael Schaller
sustainable - Agentur für Nachhaltigkeit
Tel.: +43 (316) 48 28 45
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