
FAIRTRADE - Fairer Handel
Ziele, Kriterien, Produkte
Der Norden genießt, was der Süden produziert
Wie selbstverständlich gehört zu unserem täglichen Leben der Genuss von Kaffee, Kakao, Tee, Zucker, Reis oder Bananen, oft ohne zu wissen unter welchen Bedingungen diese Produkte hergestellt werden. Der Preis für Rohstoffe wie Kaffee ist auf dem Weltmarkt in den letzten Jahren aufgrund des hohen Angebots drastisch gesunken. Zum Vorteil für die großen Konzerne durch einhergehende niedrigere Kosten und zum Nachteil für die Kleinbauernfamilien, die diese Preisentwicklung und die wirtschaftliche Abhängigkeit von ihren Rohstoffen in ein Leben in Armut und Abhängigkeit drängt.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich unter der Bezeichnung „FAIRTRADE“ eine Bewegung entwickelt, die dem Prinzip der Gewinnmaximierung alternative Ansätze entgegensetzt, um die ungerechte Weltmarktstruktur mit den einhergehenden Auswirkungen auf die Entwicklungsländer aufzuzeigen und entgegenzuwirken.
Was ist FAIRTRADE?
"FAIRTRADE - Der Faire Handel – ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Er leistet einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung, indem er bessere Handelsbedingungen bietet und die Rechte benachteiligter ProduzentInnen und ArbeiterInnen – speziell in den Ländern des Südens – sichert. FAIRTRADE-Organisationen engagieren sich – gestärkt durch VerbraucherInnen – aktiv für die Unterstützung der ProduzentInnen, für Bewusstseinsbildung und Kampagnenarbeit, um die Regeln und Praktiken des konventionellen Handels zu verändern". (Definition FINE, Dezember 2001)
Ziele des Fairen Handels
Das Ziel des Fairen Handels ist eine gerechtere Verteilung der Einnahmen aus den weltweiten Produktions- und Handelsbeziehungen. Das ungerechte Machtgefälle zwischen Produzenten und Konzerne soll verhindert und eine gleichberechtigte Handelspartnerschaft aufgebaut werden. Die Produkte sollen auf möglichst kurzem Weg, d.h. mit wenigen Zwischenhändlern vom Produzenten zum Konsumenten gebracht und den Produzenten faire Preise, die über dem Weltmarktpreis liegen und unabhängig davon sind, bezahlt werden, um in den wirtschaftlich benachteiligten Regionen die Lebensbedingungen zu verbessern. Außerdem ist das Ziel eine nachhaltige Entwicklung in Form von sozialer Gerechtigkeit, wirtschaftlicher Entwicklung, Schutz der Umwelt und Erhalt der kulturellen Vielfalt.
Kriterien des Fairen Handels - Zertifizierung
Ein so genanntes Prüfzeichen macht Produkte aus Fairem Handel für die Verbraucher als solche erkennbar. Das internationale Prüfzeichen für den Fairen Handel ist das Fairtrade- Zeichen. Zuständig für die Zertifizierung von Produkten und Produzenten und die unabhängige Überprüfung der Einhaltung der Kriterien ist die internationale Organisation "Fairtrade Labeling Organizations International" (FLO). FLO hat Kriterien festgelegt, die erfüllt werden müssen, um mit dem Fairtrade-Prüfzeichen ausgezeichnet zu werden.
Die Kriterien müssen sowohl von den Importeuren als auch von den Produzenten eingehalten werden. Es gelten u.a. folgende Richtlinien:
- Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit
- Förderung von kleinbäuerlichen Erzeugergemeinschaften
- Aufbau einer langfristigen Handelsbeziehung
- Einhaltung internationaler Arbeitsschutzabkommen wie Sozialversicherung, Zahlung von Tariflöhnen, gewerkschaftliche Organisation
Förderung eines umweltverträglichen Anbaus: weitgehender Verzicht auf Pestizide, Erosions- und Trinkwasserschutz, Abwasserreinigung. Bei Fair Trade Bioprojekten: 100 % Einhaltung der Gesetze und Richtlinien für den Biolandbau.
Produkte des Fairen Handels

Den größten Anteil an fair gehandelten Produkten nimmt im Bereich Lebensmittel traditionell der Kaffee ein, im Laufe der Zeit hat sich die Produktpalette um Bananen, Tee, Kakao, Schokolade, Orangen- und Fruchtsaft, Honig, Wein und Reis erweitert. Die Produkte beschränken sich mittlerweile nicht nur auf den Bereich Lebensmittel, am Markt befinden sich u.a. fair gehandelte Blumen, Waren aus Glas, Keramik oder Leder, Fußbälle, Bekleidung und Schmuck.
Betrachtet man die Situation in Österreich, so konnte im Jahr 2006 der Fairtrade- Handelsumsatz auf über 42 Mio. Euro gesteigert werden. Dies entspricht einem Wachstum von mehr als 63% gegenüber dem Vorjahr. Das umsatzstärkste Produkt mit einem Anteil von 30% sind Bananen, die ein Wachstum von 107% gegenüber dem Vorjahr verbuchen können. Gefolgt von Schokolade mit einem Umsatzanteil von 28% und Kaffee mit 20%.
Verantwortlich für die inhaltliche Aufbereitung des Themas "FAIRTRADE":
Mag. Silvia Scholz
Regional Centre of Expertise on Education for Sustainable Development Graz-Styria,
Institut für Geographie und Raumforschung, Universität Graz
E-Mail: office@rce-graz.at
Website: www.rce-graz.at





